POLITTBÜRO FEIERT ERIKA MANN MIT REVUE
„I OF ALL PEOPLE“
Ironiefeines Erika-Trio
HAMBURG - Sparnummern am Theater sind wieder Trumpf. Wie schon zu Erika Manns Zeiten. Sie hatte oft viel weniger Geld als Phantasie, Grips, Mut und Witz. Drei Schauspielerinnen und der Regisseur Sebastian Dunkelberg würdigen zum 100. Geburtstag in der Revue „I of all people“ das politisch und vorfeministisch streitbare Multitalent und ihr Cabaret „Die Pfeffermühle“. Aus den komödiantisch servierten Splittern - mal Brief, Artikel, Rede oder Tagebuch- Notiz - ergibt sich kaleidoskopartig bunt zusammengesetzt das scharfe Bild eines unbeugsamen Charakters und rastlos kreativen Lebens. Immer wieder locker, doch dramaturgisch präzise platziert, sind die Gustostückerln des „Pfeffermühle“ -Cabarets.
„Ich bin die Dummheit“, protzt grotesk Ulrike Johannson, Susanne Stangl parodiert im Kopfstand, und Miriam Krug markiert die schnittige Ford-Fahrerin. Solo und gemeinsam läßt das Trio Erikas schillernde Facetten und treffsichere Texte in Dunkelbergs subtil einfühlsamer Inszenierung lebendig werden.
Jammerschade, bliebe es beim Polittbüro-Gastspiel. Es spiegelt ironisch die Lage freier Künstler in der Hartz-IV-Dürre. Stemmen sie professionell, fast ohne Geld einen ironiefeinen, heiteren Abend wie diesen auf die Bühne, ist‘s doch ein kleines Wunder. (-itz)